Arbeitslosenquote erreicht tiefsten Wert seit über 20 Jahren

Die Arbeitslosenquote im Kanton Zürich lag im Juni bei 1,7 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen ist vor allem im Gast- und Baugewerbe gesunken. Gleichzeitig nimmt die Anzahl offener Stellen weiter zu, womit sich der Arbeitskräftemangel verschärft. Eine Trendumkehr ist derzeit nicht in Sicht.

Ende Juni waren 14’924 Personen bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) des Kantons Zürich als arbeitslos gemeldet. Das sind 955 Personen weniger als im Vormonat. Bereinigt um saisonale Effekte hat die Zahl der Arbeitslosen um 262 Personen abgenommen.

Historischer Tiefstwert

Die Arbeitslosenquote sank im Juni von 1,8 auf 1,7 Prozent – ein Wert, der letztmals im Sommer 2001 unterschritten wurde. Hauptgrund für diesen Tiefstwert dürften die Nachwirkungen der Pandemie sein. Während der Pandemie übten viele Unternehmen grosse Zurückhaltung bei der Personalrekrutierung. Danach folgte ein kräftiger wirtschaftlicher Aufschwung. Innerhalb kürzester Zeit mussten viele Unternehmen ihre Beschäftigung hochfahren, was zu einer Knappheit auf dem Arbeitsmarkt und einer spürbaren Senkung der Arbeitslosenzahlen führte. Zudem wird der demographische Wandel je länger, je stärker spürbar, indem mehr inländische Arbeitskräfte in Rente gehen, als neue Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt eintreten.

«Die tiefste Arbeitslosenquote seit über 20 Jahren unterstreicht die Stärke der Zürcher Wirtschaft in den global sehr unsicheren Zeiten mit Ukraine-Krieg, hohen Energiepreisen, steigenden Zinsen und Lieferengpässen», sagt Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh. «Mit verschiedenen Massnahmen gegen den zunehmenden Arbeitskräftemangel müssen wir dafür sorgen, dass der Wirtschaftsboom und die Vollbeschäftigung anhalten.»

Immer mehr offene Stellen

Die Arbeitslosigkeit ist in fast allen Branchen gesunken. Am stärksten haben die Arbeitslosenzahlen im Gastgewerbe (-134), im Baugewerbe (-112) und bei den freiberuflichen, technischen und wissenschaftlichen Dienstleistungen (-107) abgenommen.

Gleichzeitig ist die Anzahl der bei den RAV gemeldeten offenen Stellen im Juni weiter gestiegen und hat mit 12’089 offenen Stellen den bisherigen Höchststand erreicht. Am höchsten ist die Anzahl bei den Handwerks- und Baufachkräften (1’709) sowie bei den Köchen und Servicekräften (1’683). In beiden Berufsgruppen werden mehr offene Stellen als Arbeitslose verzeichnet.

Die steigende Inflation, der Ukraine-Krieg und das Risiko einer europäischen Energiemangellage im kommenden Winter sorgen weiterhin für Unsicherheit. Dennoch gehen Prognosen davon aus, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung in der Schweiz – wenn auch in abgeschwächter Form – fortsetzen wird. Das gilt auch für den Kanton Zürich: Die Geschäftsaussichten sowie die Beschäftigungserwartungen der hier ansässigen Unternehmen bleiben positiv. Eine Trendumkehr auf dem Arbeitsmarkt ist daher nicht in Sicht. Im Gegenteil: In den kommenden Monaten ist weiterhin mit sinkenden Arbeitslosenzahlen zu rechnen, wodurch sich der Arbeitskräftemangel akzentuieren dürfte.

Berechnungsformel angepasst

Die Berechnungsformel für die Arbeitslosenquote wurde rückwirkend auf Januar 2020 angepasst: Im Nenner wird neu die durchschnittliche Zahl der Erwerbspersonen aus den Jahren 2018 bis 2020 verwendet (anstelle von 2015 bis 2017). In Zürich ist die Zahl der Erwerbspersonen weiter gestiegen, wodurch die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte sank.

Wirtschaftsmonitoring