Bilanz: Unterstützung von Obdachlosen im Winter 2020/21

Obdachlose Zürcherinnen und Zürcher konnten auch diesen Winter auf die Unterstützung der Stadt zählen. Niemand musste unfreiwillig draussen übernachten. Die Kapazitäten der städtischen Notunterkünfte waren stets ausreichend, und das Hilfesystem funktioniert effizient. Die Corona-Pandemie hat in der Stadt Zürich bislang nicht zu einer Zunahme von Obdachlosigkeit geführt.

Die Bilanz der vergangenen Wintersaison (Zeitraum vom 1.11.2020 bis 31.3.2021) fällt hinsichtlich der Situation von obdachlosen Menschen in der Stadt Zürich positiv aus. Auch während der längeren Kälteperioden musste niemand unfreiwillig draussen übernachten. Die Stadt Zürich hat zu jeder Zeit genügend Notunterkünfte für obdachlose Einzelpersonen und Familien zur Verfügung gestellt. Dank der bewährten Kombination aus den Kältepatrouillen von sip züri und den Unterbringungsmöglichkeiten in der städtischen Notschlafstelle und privaten Hilfsangeboten konnte die Unterstützung obdachloser Zürcherinnen und Zürchern sichergestellt werden. Menschen ohne Wohnsitz in der Stadt Zürich stand im Sinne der Nothilfe ebenfalls jederzeit ein Bett für eine Nacht zur Verfügung.

Für Obdachlose im Einsatz: die Kältepatrouille von sip züri

sip züri, die seit bald 20 Jahren Menschen am Rande der Gesellschaft unterstützt, kennt rund 90 Schlafplätze von obdachlosen Personen auf Stadtgebiet. Diese werden in kalten Nächten im Rahmen des Auftrags als Sozialambulanz aufgesucht. Bei Minustemperaturen sind zudem von 17 Uhr abends bis 2 Uhr morgens die spezifischen «Kältepatrouillen» unterwegs. Zweierteams suchen das Gespräch mit den Menschen und haben dabei ein Augenmerk auf ihr psychisches und physisches Wohlbefinden. Gemeinsam werden nächste Schritte besprochen. Meist geht es dabei um die Vernetzung mit passenden sozialen Angeboten (Broschüre «Hilfsangebote für Erwachsene»), oder es erfolgt eine Begleitung in die Notschlafstelle oder ein anderes Akutübernachtungsangebot. Eine Notärztin oder ein Notarzt wird nur dann zugezogen, wenn Anzeichen für akute Selbstgefährdung vorliegen, beispielsweise durch Substanzkonsum (starke Alkoholisierung, starke Nebenwirkung von Medikamenten- oder Drogen), Äusserung suizidaler Absichten oder durch ungenügende Ausrüstung für die Witterungsverhältnisse. Dies kommt generell selten vor, diesen Winter nur vier Mal. In den letzten fünf Monaten hat sip züri über 1300 Mal Schlafplätze aufgesucht und/oder Menschen ohne Obdach beraten. Von allen Kontakten handelt es sich bei rund einem Viertel um Frauen. Die rund zwei Dutzenden Personen, die es generell vorgezogen haben, auch im Winter im Freien zu übernachten, sind sip züri bereits länger bekannt. Weder aus Sicht von sip züri noch der städtischen Notschlafstelle hat die Corona-Pandemie bislang zu einer Zunahme von Obdachlosen geführt.

Genügend Kapazität in der Notschlafstelle

In der Notschlafstelle an der Rosengartenstrasse haben diesen Winter rund 200 Frauen und Männer rund 3000 Mal übernachtet. Die durchschnittliche Belegung entspricht mit 20 Personen pro Nacht einer Auslastung von 38 Prozent. Frauen machten rund einen Fünftel der Übernachtenden aus. Die meistbesuchte Nacht in der Wintersaison war der 13. Februar 2021 mit 29 Personen. Über 90 Prozent der Übernachtungen sind dabei auf Männer und Frauen entfallen, für die die Stadt Zürich zuständig ist. Menschen, die sich aufgrund ihrer individuellen Problemlagen länger in der Notschlafstelle aufhalten, werden von Fachpersonen zusätzlich unterstützt, um in ein wohnintegratives Angebot des Sozialdepartements oder privater Anbieter wechseln zu können.

Da es sich bei den Akutübernachtungsangeboten um Unterbringungen mit gemeinschaftlich genutzten Räumlichkeiten handelt, war die vergleichsweise tiefe Auslastung der Notschlafstelle in Bezug auf die Corona-Situation von Vorteil, um das Risiko von Ansteckungen zu reduzieren. In Phasen höherer Auslastung wurden Einzelpersonen flexibel in alternativen Übernachtungsangeboten untergebracht, um Social Distancing zu gewährleisten. Auch von Obdachlosigkeit bedrohte oder betroffene obdachlose Familien wurden rasch und bedarfsangemessen untergebracht. Dadurch kam es bisher bei keinem Akutangebot der Stadt Zürich zu einer temporären Schliessung aufgrund von Covid-19.