«Untersterblichkeit» bei Unternehmen

Die Corona-Wellen haben zeitweise zu einer «Übersterblichkeit» in der Bevölkerung geführt. Im Gegensatz dazu ist laut Raiffeisen Economic Research bei den Unternehmen eine «Untersterblichkeit» festzustellen, ungeachtet der aufgrund der Einschränkungen teils dramatischen Umsatzausfälle.

Die Insolvenzen lagen in der Schweiz letztes Jahr um hohe 16% unter dem Niveau der Vorjahre. Daran hat sich auch seit dem Jahreswechsel nichts geändert. In den Nachbarländern fiel der Rückgang nochmals stärker aus, allen voran in Italien mit einem Minus von über 40%.

Ein Erklärungsversuch dafür sind die von den Regierungen erlassenen Schuldenmoratorien. In der Schweiz gab es zu Beginn der ausserordentlichen Lage erst Betreibungsferien und ab Ende April dann die Möglichkeit der Schuldenstundung. Die Regelung ist jedoch bereits im Oktober wieder ausgelaufen, nicht zuletzt weil sie kaum genutzt worden ist. Die niedrige Zahl der Konkurseröffnungen ist stattdessen vielmehr auf ein Bündel anderer Massnahmen zurückzuführen, wie die Kurzarbeits- und Erwerbsausfallentschädigung, mehr Geduld der Behörden beim Eintreiben von Steuern und Gebühren, sowie vor allem die staatlich garantierten COVID-Kredite. Über 22% aller Schweizer Unternehmen haben COVID-Kredite beantragt, die meist zinslos sind. Zudem werden die Kredite nicht als Fremdkapital gezählt, womit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung wegen Überschuldung entfällt. Und die Laufzeit beträgt bis zu 10 Jahre.

Zusammen mit der Verschiebung zusätzlicher Härtefallhilfen viel mehr Richtung A-fonds-perdu-Beiträge, steigen die Chancen, dass es auch weiterhin erst einmal nicht zu einer ähnlich starken Zunahme der Konkurse wie nach früheren Rezessionen kommt. Gleichzeitig werden damit jedoch zwangsläufig mehr existenzbedrohte und wenig produktive Unternehmen überleben, die mittelfristig wiederum mehr Sand im Konjunkturgetriebe bedeuten.