Wo Technologie auf Empathie trifft

Datum: 12.06.20

Schöne Möbel? Nette Formen und hübsche Farben? Falsch. Wenn wir von Industriedesign reden, hilft ein kurzer Blick in die Vergangenheit um zu verstehen, dass das Image des Designers als «Behübscher» irreführend ist. Seit jeher steht gutes Industriedesign für Innovation. Und gute Innovation ist nie ausschliesslich technologisch begründet, sondern setzt den Menschen mit seinem Befinden ins Zentrum.

So hat die Bauhaus-Moderne der 1920er Jahre nicht nur zum Selbstzweck versucht, technologische Innovationen aus dem Flugzeugbau in den Wohnraum zu bringen, sondern dieses Bemühen entstand mit dem Schock des Ersten Weltkrieges im Nacken: Alltagsobjekte und Investitionsgüter hatten den Anspruch, sozial und demokratisch sein, einfach in der Nutzung und erschwinglich. Von diesen Prinzipien ist die Ausbildung für Produkt- und Industriedesign an der Zürcher Hochschule der Künste und ihrer Vorgängerinstitutionen seit etlichen Jahrzehnten nie abgewichen. Ergänzt wurden diese Überlegungen durch ökologische; die Rückführung von Materialien und das Denken in Kreisläufen nimmt zu Recht eine immer wichtigere Rolle ein. Hier arbeitet unsere Fachrichtung seit Jahren mit namhaften Partnern in der Region Zürich und darüber hinaus zusammen.

Hochwertiges Industriedesign übersetzt Komplexitäten und Technologien und macht sie verständlich – einerseits in Form von Anzeichen, Mensch-Maschine-Interaktionen und pragmatischen und nachvollziehbaren Nutzerabläufen (sogenannten Customer Journeys). Gleichzeitig aber werden diese Themen an den menschlichen Körper gepasst, und zwar buchstäblich. Denn: praktisch alles, was wir täglich berühren, ist Industriedesign. Kenntnisse der Anthropometrie und Ergonomie sind unerlässlich, wenn für den täglichen Gebrauch entworfen und entwickelt wird; die Masse des menschlichen Körpers sind nicht nur zentral für das Entwerfen eines Bürostuhls oder eines Smartphones sondern auch bei der Konzeption von Geräten wie sie zum Beispiel im Medizinalbereich benötigt werden.

Und damit nicht an der Nutzerin vorbeigeplant wird, sind qualitative Methoden zum Verständnis von menschlichen Verhaltensweisen und Bedürfnissen genau so zentral. Diese Bedürfnisse können sozialer, psychologischer, gesundheitlicher oder auch sinnlich-ästhetischer Natur sein. Gute Industriedesignerinnen sind somit einerseits technisch hoch versiert, sie haben auch ein offenes Ohr, sind unvoreingenommen und bringen Empathie mit. Dinge, Objekte, Dienstleistungen können – so hoch technologisch sie auch immer daherkommen – nur funktionieren und am Markt bestehen, wenn der Mensch im Zentrum ernst genommen wird. Gestern wie heute oder morgen.

 

Bild:Bild: ZHdK Industrial Design; Diplomarbeit

ZHdK Industrial Design

Auch diesen Sommer verlassen je eine Bachelor- und eine Master-Klasse unsere Schule und begeben sich auf den Arbeitsmarkt; bereit, den Wirtschaftsraum Zürich und viele weitere Regionen durch sinnvolle Innovationen zu ergänzen und nicht durch eine Wegwerfkultur zu überfluten.

Es würde uns sehr freuen, wenn sie unsere digitale Diplomschau besuchen. Die Innovationsprojekte sind ab dem 12. Juni zu sehen unter industrialdesign.zhdk.ch (Link zur Veranstaltung).

Nicole Kind, Fachrichtungsleiterin Industrial Design (a.i.)